Warum die meisten es nie tun — und wie man das überwindet
Die häufigste Antwort auf die Frage „Hast du die Lebensgeschichte deiner Eltern je aufgeschrieben?" ist: „Ich hatte es vor. Irgendwann." Das Irgendwann kommt meistens nicht. Nicht weil man es nicht will, sondern weil man nicht weiß wo anfangen.
Das Problem: Die Lebensgeschichte eines Menschen aufzuschreiben klingt nach einem riesigen Projekt. Nach Hunderten von Stunden, nach journalistischen Fähigkeiten, nach einem Schreibtalent das man sich nicht zutraut. In Wirklichkeit ist es viel einfacher als man denkt — wenn man den richtigen Ansatz wählt.
Du musst kein Schriftsteller sein, um die Lebensgeschichte eines Menschen festzuhalten. Du musst nur zuhören — und die richtigen Fragen stellen.
Schritt 1: Nicht „alles" erzählen wollen — sondern Kapitel wählen
Der erste Fehler ist der Anspruch auf Vollständigkeit. Ein Leben lässt sich nicht in einem Gespräch erzählen. Aber zehn Themen schon — wenn man sie bewusst auswählt.
- Kindheit und Herkunft
- Schul- und Lehrzeit
- Erste Liebe und Partnerschaft
- Beruf und Berufung
- Elternschaft und Familie
- Heimat und Orte, die zählen
- Schwierige Zeiten und was sie gelehrt haben
- Was im Rückblick wichtig war
Wähle fünf bis zehn Kapitel — und konzentriere dich auf diese. Mehr braucht es nicht für ein gutes Buch.
Schritt 2: Die richtigen Fragen stellen
Offene Fragen funktionieren. Geschlossene Fragen töten das Gespräch. Statt „Hattest du eine schöne Kindheit?" besser: „Was war das schönste an deiner Kindheit, wenn du heute daran denkst?"
Noch besser: Konkrete Bilder fragen. „Was siehst du, wenn du an euer altes Haus denkst?" Oder: „Erinnerst du dich an einen Moment mit deinem Vater, der dir bis heute geblieben ist?"
Lass Pausen zu. Die besten Antworten kommen, wenn man nicht sofort nachhakt. Stille ist kein Problem — sie ist oft der Beginn der wirklich guten Geschichte.
Schritt 3: Nicht schreiben — erzählen lassen
Das Aufschreiben ist nicht Aufgabe der erzählenden Person. Ein Interview — ob mit dem Handy aufgenommen, in einem Gespräch notiert, oder mit einem Tool wie PastPrint geführt — reicht vollkommen. Danach kann der Text ausformuliert, strukturiert und gedruckt werden.
Das Wichtigste ist: Die Geschichte muss erzählt werden. Alles andere ergibt sich.
Der beste Zeitpunkt ist jetzt
Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, die Lebensgeschichte eines Menschen festzuhalten. Den gibt es nie. Aber es gibt einen falschen — und das ist der Moment, wenn es zu spät ist.
Die Menschen, die du liebst, haben Geschichten in sich, die sonst niemand kennt. Niemand außer dir wird sie je fragen. Und wenn du es nicht tust, werden sie still und leise verschwinden.
Bereit, eine Lebensgeschichte zu bewahren?
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